
Ich bin Rutson da Silva und bin elf Jahre alt. Der Name meiner Mutter ist Maria Luciene Silva Costa und von meinem Vater Antônio Duarte Costa. Ich habe drei Geschwister, aber ich weiss nur den Namen von einer, sie heisst Ruth. Ich weiss ihren Namen, weil sie mit mir auf der Strasse gelebt hat. Mein Haus liegt im Viertel Bom Jardim, in Fortaleza. Ich weiss weder den Namen der Strasse, noch die Nummer. Ich habe nicht bei meiner Mutter gewohnt, ich habe bei meiner Oma gewohnt, Dona Amélia, ich mag sie sehr. Ich wollte nicht mit meiner Mutter wohnen, weil mein Vater viel mit ihr gestritten hat. <//a>Meine Oma wohnt neben dem Haus meiner Mutter. Ich habe auch einen Opa, sein Name ist Francisco. Ich habe bei meiner Oma gewohnt, immer blieb ich bei ihr, dann, als sich meine Mutter irgendeine Arbeit besorgt hat, bleiben meine Schwestern auch dort. Erst wohnte im Haus meiner Oma noch ein Onkel von mir, mit seiner Frau und drei Kindern, zwei Maedchen und ein Junge. Er war sehr uebel, er stritt sich die ganze Zeit mit mir und schlug mich. Am Ende des Monats wollte mein Opa Geld von ihm haben, weil er pensioniert ist, also gab meine Mutter auch Geld und mein Opa kaufte Sachen fuer uns zum Essen. Ich habe noch eine andere Oma und einen anderen Opa, ich kenne ihre Namen nicht. Ich erinnere mich nur ein bisschen an meine Oma, als sie mich an einem Sonntag in den Park nahm, sie war sehr lustig.
Ich und Ruth gingen weg auf die Strasse, weil wir die Streitereien von Papi mit der Mutter nicht mehr aushielten. Der Opa stritt immer mit ihm, sagte er solle nicht mit der Mutter streiten, aber das ging nicht, bis sie sich eines Tages trennten. Mutter besorgte sich auch keine Arbeit mehr, sie half einer Frau, die in der Naehe von zu Hause lebte, dann gab sie uns zu essen.
Als ich weg ging auf die Strasse, ich und Ruth, lebten wir in Beira-Mar und am Terminal Siqueira. Dort schnueffelten wir Klebstoff und Loló. Es war Ruth, die das Geld besorgte, um das zu kaufen, 1,50 der Klebstoff und 1,00 Loló, ein kleines Flaeschchen. Wir kauften das in Mesejana, eine helle Favela, von einer Frau, deren Namen ich nicht kenne. Tagsueber blieben wir auf der Strasse, aber fuer die Mahlzeiten und um zu schlafen gingen wir zum Espaço Viva Gente.
Ich kam zum Kleinen Nazareno, weil ich einige Jungs kannte, die schon hier wohnten: Edinho, den wir “Maus” nennen und sein Bruder Osmar. Ich kannte auch Marquinhos. Sie sagten, dass es hier sehr gut sei. Ich lernte Bernardo kennen, der manchmal zum Terminal ging, dann bat ich ihn mich zum Wohnen hierhin mitzunehmen. Er notierte sich einige Unterhaltungen mit mir, im Buero im Zentrum, danach sprach er mit Silvana und sie brachte mich hierher. Mir gefaellt es hier sehr, weil es Essen gibt, Spiele, Schule. Ich wohne im Haus Mangeira. Ich mag die Erzieher und die Jungen im Haus. Der Erzieher “Careca” spielt viel mit uns.
Wenn ich erwachsen bin, will ich eine Arbeit haben, um mir Kleidung zu kaufen. Ich werde auch meinen Vater bitten, nicht mehr mit meiner Mutter zu streiten, damit sie eines Tages wieder zusammenleben.
Rutson lebte mit 2 Bruedern und drei Schwestern in sehr aermlichen Verhaeltnissen. Der Vater hat immer viel getrunken und wenn er dann betrunken war, hat er vor allem die Mutter geschlagen. Auch die Kinder hat er ab und zu geschlagen, jedoch ist haeufig der Onkel, der im selben Haus wohnt, dazwischen gegangen. Seine Schwester Rutielle ist bereits als Rutson noch sehr klein war, vor den Umstaenden Zuhause auf die Strasse gefluechtet. Irgendwann hat Rutson dann auch keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als die Strasse. „Mein Bruder Mattheus hat mich damals mit 9 Jahren mit auf die Strasse genommen!“ Rutson hat bereits fruehzeitig angefangen Klebstoff zu schhnueffeln. Dazu kamen irgendwann Drogen wie Lolo (Aether), Loesungsmittel und Zigaretten. „Die Zeit auf der Strasse war sehr schlimm fuer mich. Einmal war ich so breit, das ich mir den ganzen Fuss aufgeschnitten habe.“Rutson hat viel Gewalt auf der Strasse gesehen und erfahren. Seine Mutter hat mehrmals versucht ihn von der Strasse zu holen. Zweimal hat sie ihn wieder mit nach Hause genommen, aber er hat es dort nie lange ausgehalten und ist zurueck auf die Strasse. Auch von der Polizei ging vor allem Nachts viel Gewalt aus. Rutson hat einmal mit ansehen muessen, wie ein Wachmann und eine Frau vom Bus-Terminal, wo die Kinder sich oft aufhalten und auch uebernachten, eine Matratze der Kinder mitten am Tag verbrannt haben, damit die Kinder vom Terminal verschwinden. „Hier im Sitio kann ich endlich wieder richtig schlafen und muss nicht jede Nacht Angst haben!“ Rutsons Traum ist es, einmal Profi-Fussballer zu werden.
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