José Petro

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geboren am 19.03.2000

Ich habe es nur ein paar Minuten in der Barrake von der Familie José Pedros ausgehalten. Auf blankem Lehnboden schlugen mir von der Feuerstelle, auf der sich ein verrosteter Kochtopf befand, in dem die Bohnen sich anstrengten, ganz schnell gar zu werden, immer wieder die Rauchschwaden in die Nase. Ich hatte nur zwei Möglichkeiten: auszuharren und am nächsten Tag krank im Bett zu bleiben, oder die Sozialarbeiter alleine zu lassen und das Weite zu suchen. Hastig versuchte ich der Familie von José Pedro etwas von meiner Rauchallergie zu erklären, wobei mich alle mitleidig und verständnislos anschauten, bevor ich genervt die möchte-gern Holztür beiseiteschob und in den Garten flüchtete. Der Vorgarten, eine einzige Ansammlung aus Müll und Dreck! Nach einer knappen halben Stunde war das Gespräch wohl zu Ende, da die übliche Verabschiedungszeremonie schon in vollem Gange war. Schon im Auto angelangt, weihten mich Silvana und Antônio Carlos in die Lebensgeschichte und den früheren Tagesablauf der Familie des José Pedros ein, der seit etwas über einem Jahr im Nazareno-Dorf aufgenommen wurde: Um 4 Uhr in der Früh, wenn selbst in Fortaleza noch alles dunkel und still ist, geht es immer los. Der Stiefvater von José Pedro macht sich zum Aufbruch bereit. Die zwei Reifen von seiner Karre, in der er über Tag wiederverwertbaren Müll sammelt, werden überprüft, die 4 Kinder geweckt und mit  Kaffee und Kekse versorgt. Der Weg in das Stadtzentrum von Fortaleza ist von dem Slum aus, in dem sie wohnen, etwa ein-einhalb Stunde zu Fuß entfernt. Der einzige, der das Recht auf eine Mitfahrgelegenheit in der Müllkarre bekommt, ist José Pedro, da er angeborene Klumpfüße hat, einhergehend mit einer kompletten Einwertsverdrehung. Seine beiden Fußfersen haben keinen Bodenkontakt und seine Fußsohle ist nach außen gerichtet. Früh bemerkten seine Eltern, dass die Leute sehr großzügig Geld geben, wenn José Pedro sich an einer Ampel platziert und bei rot seinen Arm bettelnd den Autofahrern entgegenstreckt. Und so wiederholt sich die Arbeitsteilung seit Jahren: Der Stiefvater sammelt Altmüll, während seine 3 Kinder gleichzeitig ihm mithelfen und die Passanten um Geld anbetteln. José Pedro wird immer vorher an einer Straßenkreuzung ausgesetzt und bleibt dann bis zum frühen Nachmittag alleine, um seinem Handwerk nachzugehen. Etwa um 2 Uhr nachmittags macht sich die ganze Familie dann auf den Heimweg. Tag ein, Tag aus, die selbe Prozedur. Alles blieb beim alten, bis José Pedro etwas älter wird und anfängt, aus verschiedenen Gründen, auch einfach mal nachtsüber auf der Straße zu bleiben. Damit hatte er die zwei Wege schon einmal gespart. So dauerte es auch nicht lange, bis Kleber, Streetworker vom Kleinen Nazareno, ihn in den Abendstunden, schnüffelt, auf dem Bürgersteig in der Nähe von einer Bushaltestelle traf. Heute lebt José Pedro im Nazareno-Dorf. Er ist in der letzten Woche am rechten Fuß operiert worden. Sein linker Fuß kommt in ein paar Monaten auf den Operationstisch. Bis sein Verband definitiv ab kann, wird er im Haus der Praktikanten blieben, wo es einfach ruhiger ist, als in den Wohnhäusern der Kinder. Wir alle wünschen José Pedro, dass er bald wieder wohl auf ist! Es ist wohl für uns alle sehr  schwer nachzuvollziehen, was es bedeutet, in einem Slum, mit einer derart ausgeprägten körperlichen Behinderung in einer extrem armen Familie aufzuwachsen. Wir alle freuen uns enorm, dass José Pedro ganz neue Möglichkeiten eröffnet werden. Ganz prima!

 

 

 

 



 

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