Cauã Santos

Stundenlang harrte er auf der Straße aus. Jeden Tag aufs neue musste er zur Straße betteln. Seit seiner frühen Kindheit kannte er nichts anderes. Für Alexandre gab es Kinder, die saubere Klamotten anhatten, die Essen auf dem Tisch bekamen und in ihrer Freizeit spielen konnten. Und es gab eben die anderen Kinder. Diejenigen, die arbeiten mussten, die in der Früh von der Mutter oder dem Vater zur Straße gebracht wurden und dort solange ausharren sollten, bis sie genug Geld gettelt hatten. Erst dann gab es Essen. Erst dann konnten sie nach Hause. Alexandre gehörte definitiv zur zweiten Gruppe. Er war das Kind zweiter Klasse und für ihn war das die Weltordnung, die er kannte. Und so wunderte er sich auch nicht, als er ab und zu einfach auf der Strasse einschlief, um am nächsten Tag direkt weiter zu betteln. „Der Kleine Nazareno“ kannte Alexandre von Besuchen bei seiner Familie und durch unsere Sozialarbeit auf der Straße. Zwei seiner Brüder hatten wir schon bei uns aufgenommen. Beide sind schon volljährlich. Sein älterer Bruder hat heute einen Friseurladen und ein Bruder von ihm arbeite in der Rezeption vom Berufsausbildungszentrum des Kleinen Nazareno. Das Jugendamt hätte uns nicht darauf aufmerksam machen müssen, dass auch Alexandre immer mehr Zeit auf der Straße verbrachte und dass wir ihm helfen sollten. Trotz vieler Gespräche des Jugendamtes mit den Eltern, die ihn weiterhin zur Straße schickten, wurde die Situation von Alexandre nicht besser und wir sahen keinen anderen Ausweg, als ihn im Nazareno-Dorf aufzunehmen. Für Alexandre war es ein bedeutender Einschnitt in seinem Leben. Den ganzen Tag auf der Straße zu betteln war das Leben, was er bisher kannte. So dauerte es eine ganze Weile, bis er überhaupt verstand, wie ihm geschah. Anfangs war er ausgesprochen schüchtern. Auch mit seinen Kollegen im Dorf war er reserviert und schweigsam. Es dauerte seine Zeit, bis er sich eingewöhnte. Murmeln spielen ist an sich der ewige Renner im Nazareno-Dorf. Doch selbst bei diesem Gesellschaftsspiel blieb er anfangs außen vor. Doch mittlerweile hat sich das geändert. Als er an einem Wochenende von einer Mitarbeiterin eingeladen wurde, die in einer 7-köpfigen Familie etwas abseits von Fortaleza groß wurde, fragte er, warum nicht alle Kinder das Recht auf so eine glückliche Kindheit haben und weshalb es Kinder gibt, die am Wochenende so viel spielen dürfen, wie sie es möchten. Heute kann man sagen, dass er im Nazareno-Dorf angekommen ist. Er gewinnt auch schon mal beim Murmeln spielen, zeichnet außergewöhnlich gut, hat Freundschaften geschlossen. Aber in allen Kindern schlummert die Sehnsucht nach einer glücklichen Familie, nach Menschen, die Verantwortung übernehmen. Eine Patenschaft können wir daher herzlich empfehlen.

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Kauãn, Ryan und Kerven

Vor 3 Monaten haben wir Kauãn (8 Jahre, geb. 2009) , Ryan (9 Jahre, geb. 2008) und Kerven (11 Jahre, geb. 2006) zum Glück bei uns aufgenommen. Zum Glück, da die Situation von den Kindern extrem gefährlich und einfach nur schlimm gewesen war. Die 3 Brüder haben noch eine Schwester (13 Jahre), die seit 3 Jahren fest bei ihrer Tante wohnt und ihre Brüder bei uns schon des öfteren besucht hat. Bisher haben wir nur lückenhaft die Lebensumstände der 3 Jungs in Erfahrung bringen können, da wir noch nicht mit der Mutter gesprochen haben. Durch das Jugendamt sind wir auf die 3 Geschwister aufmerksam geworden, da auf dem Jugendamt schon verschiedene male Leute angerufen haben, die die Kinder auf der Strasse getroffen hatten. Die Kinder haben auf der Strasse geschlafen. Die Mutter und der Stiefvater sind beide stark drogenabhängig. In ihrer Wohnbarrake gibt es nichts mehr. Die Mutter hatte alles verkauft. So auch die Schulsachen, Kleidungsstücke und die Schuhe der Kinder. Da die 3 Geschwister nichts mehr zu essen hatten sind sie zur Strasse gegangen. Doch sie wollten auf keinen Fall auf der Strasse leben und haben sich unheimlich gefreut, dass sie die Möglichkeit bekamen, bei uns aufgenommen zu werden. Es ist das erste Mal, dass ich (Bernardo) zusammen mit unseren Sozialarbeitern es nicht geschafft habe, bisher die Familie zu besuchen. Kurz vor unserem Besuch war ein Mann in der Nähe von der Barracke der Mutter geköpft und weitere 4 junge Leute umgebracht worden. Die ganzen Drogenhändler waren in Aufruhr und haben keinen von uns in das Slumviertel hineingelassen. Die hatten Befürchtungen, dass es seitens der feindlichen Drogenbanden noch mehr Ermordungen in den nächsten Tagen geben würde. Die haben die Strassen in dem Elendsviertel kurzerhand abgeriegelt. Wir können eine Patenschaft sehr empfehlen, da die 3 Geschwister bis auf weiteres nicht die Möglichkeit haben werden, wieder nach „Hause“ zurück zu gehen.

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Wesley Gomes da Silva

Bisher habe ich der leiblichen Mutter von Wesley nur einen einzigen Besuch abgestattet. Sie lag in einer Hängematte in der Mitte des Raumes, in dem noch drei Stühle standen, auf denen wir uns setzten. Wesley lebte schon seit einigen Monaten bei uns im Nazareno-Dorf und es war eher durch einen Zufall, dass wir die Adresse der Mutter ausfindig machen konnten. Völlig abgemagert und kraftlos liegt sie den ganzen Tag in der Hängematte. Ihre Drogensucht hat ihr alles genommen. Selbst die Hoffnung auf eine Besserung ihrer jetzigen Situation. Sie wäre nicht die erste Mutter, der wir einen Platz in einer Drogenklinik besorgen. Aber ihr fehlt der Mut, es noch einmal zu versuchen. Ihre jahrzehntelange Sucht hat ihr Leben in einen Scherbenhaufen verwandelt. Einer der leidtragenden ist Wesley, der kurz nach der Geburt einer Leiterin eines Bordells übergeben wurde, die wohl ein Kind haben wollte, aber keine Zeit hatte sich darum zu kümmern. Daher kam Wesley in die Obhut von einer Mitarbeiterin, die sich um ihn kümmerte. Ich kann weder genau sagen, wann Maria da Silva in das Leben von Wesley trat, noch die genaueren Umstände. Aber Maria ist die Person, die Wesley seine Mutter nennt. Sie hat sich bis zu ihrem Tot sehr liebevoll um Wesley gekümmert. Es waren gute Jahre für ihn, denn das erste Mal hatte er eine Familie. Ein paar Jahre hatte er eine glückliche Kindheit. Doch mit dem Tot seiner „Adoptivmutter“ war er auf einmal wieder ganz allein, denn die Tochter von Maria hatte nicht die Möglichkeit sich um Wesley zu kümmern, auch weil er immer später nach Hause kam. Das Jugendamt ist mit uns in Kontakt getreten, als Wesley immer weniger oder gar nicht mehr nach Hause kam. Wir hatten bevor wir Wesley bei uns aufnahmen verschiedene Gespräche mit den Sozialarbeitern und auch der Tochter von Maria, um uns ein Bild über die Notwendigkeit zu machen, ihn bei uns aufzunehmen. Auf der Straße nahm er noch keine Drogen und ist auch nicht durch Diebstähle aufgefallen. Er viel auf, weil er sich allein fühlte und in einem sehr frühen Alter allein auf sich selbst angewiesen war. Obwohl es immer wieder Parallelen zu anderen Lebensgeschichten der von uns aufgenommen Kinder gibt, so ist doch die einzelnen Lebensumstände und die Gründe, weshalb die Kinder zu uns kommen, immer wieder einzigartig. Wesley verdient unsere Unterstützung, genau wie andere Kinder, die schon seit frühesten Kinderjahren Drogen nehmen und auf der Straße leben. Obwohl es ihm bei uns sehr gut gefällt, sich gut in der Schule entwickelt und sich mit gleichaltrigen Kindern schnell angefreundet hat, werden wir alles versuchen, damit Wesley einen neunen Familienanschluss bekommt. Es braucht seine Zeit, aber es besteht die Möglichkeit, dass er in Zukunft von einer Familie adoptiert wird. Solange bis wir aber noch nichts Konkretes ihm vorschlagen können, möchten wir ihm ein sicheres Zuhause geben, wo er sich wohl fühlt und geborgen ist, nach den vielen tragischen Ereignissen in seinem Leben. Deshalb würden wir uns über eine Patenschaft für Wesley sehr freuen!

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